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26  MENSCHEN                                            DIE ERBEN                                            27



                       FR AGEN  AN UND  ANTW OR TEN  V ON B ARB AR A  KLEIN,
                                      INITIA T ORIN  V ON „DIE ERBEN“
 IN UNSEREN HERZEN, UNSEREN KÖPFEN, UNSERER MITTE LEBT EIN ERBE,
 DAS VERLOREN ZU GEHEN DROHT UND DAS WIR UNBEDINGT RETTEN SOLLTEN,
 SAGT BARBARA KLEIN.
            ?   Dein Lieblingsduft?                                               ?   Thema des letzten
                                                                                        Tischgesprächs?
            !   Das Parfüm Armani Privé Ambre Eccentrico.
 SIE HAT „DIE ERBEN“ (URSPRÜNGLICH: DIE KULINARISCHEN ERBEN DER ALPEN)
            Ansonsten Orangen und Zitrusfrüchte aller Art.                        !   Eine Wertediskussion darüber,
 GEGRÜNDET UND ERZÄHLT UNS VON GROSSARTIGEM, VON ALTEM UND GANZ
                                                      ?   Koch oder Bäcker?       was kulinarisch aus dem Man-
 NEUEM, VON ERINNERUNG UND LEIDENSCHAFT. UND VON DEM,                             gel und was aus dem Überfluss
                                                      !   Bäcker.
 WAS KÜNFTIG WERDEN SOLL.  ?   Schon immer gewollt,                               entsteht. Beides sind Treiber für
                              aber nie probiert?                                  Innovation, die letztlich aber zu
                                                                                  vollkommen unterschiedlichen
                        !   Selbst Wein zu machen
                                                                                  Ergebnissen führen.
                                               ?   Noch nie gefragt?
 „DIE GL UT   ?   Geschmacklos                 !   Lohnt sich das Engagement        ?   Erstes Mal gekocht?
                                               rund um unser Erbe und damit um
          !   Menschen, die nicht
          offen sind für anderes,              unsere kulinarische Identität denn   !   Als kleines Kind, ge-
          die glauben, die Weis-               überhaupt?                           meinsam mit meiner Oma.
 WEITER TR AGEN“  heit mit dem sprichwört-                                          Ich muss etwa fünf gewe-
          lichen Löffel gefressen
                                                                                    sen sein. Es war ein gezo-
          zu haben.
                                ?   Wichtigstes Küchenutensil zu Hause?             gener Apfelstrudel.
                                !   Ein gut schneidendes Messer (wobei eines allein nicht reicht)


                ?   Dein Küchentalent?
 ES BEGANN MIT EINER SEHNSUCHT. Einer Sehnsucht, die nicht mehr kleiner,
                !   Improvisation – mit allem, was                                         ?   Ging komplett
 sondern immer nur größer wurde. Dabei hatte Barbara Klein doch fast alles, und   Kühlschrank und Speisekammer   ?   Gerade entdeckt?        daneben?
 auch vieles erreicht: erfolgreiche Marketingberaterin, zwei tolle Kinder, ein ge-  hergeben. Ich liebe es, ohne Re-  !   Meine Liebe zum Basken-  !   Mein Versuch,
 nussvolles Leben im Grazer Land und trotzdem viel unterwegs in den Städten,   zept und Kochbuch zu kochen und   land. Beeindruckend, wie sehr   Brot zu backen
 mit interessanten Menschen, spannenden Aufgaben und am Puls der Zeit. Doch   mich ausschließlich auf meinen   Essen dort im Alltag integriert
                Geschmack und meine Intuition zu
 etwas nagte in ihr.                                  ist und welchen Stellenwert
                verlassen.
                                                      Küche in diesem Land hat.
 „Es waren die BILDER MEINER KINDHEIT, meine Großmutter und meine Mutter,
 die Seite an Seite am Herd standen. Wie wir gemeinsam eine Kultur des Essens
 pflegten“, entsinnt sich Barbara Klein. Da gab es den gefüllten Sonntagsbraten   ?   Besser früher gewusst?  ?   Riskiert und gewonnen?
 im Rohr, die Suppe auf dem gesetzten Herd. Den gezogenen Apfelstrudel, Mehl-
          !   Idealismus und Leidenschaft brauchen ein Regu-         !   Ich hab mich in meinem Leben stets auf mein
 speisen aus Germteig, wie den Kärntner Reindling, Grieskoch, Sterz ... Speisen,
          lativ in Gestalt der richtigen Portion Realismus. Das      Gefühl verlassen, meist ist das gut gegangen.
 die heute kaum mehr einer kennt. Damals erfüllte ihr Duft den Raum und die   ist wichtig, um sich den einen oder anderen Umweg   Zuletzt als ich beschlossen habe, meinen siche-
 Vorfreude aufs Essen das Herz.   zu ersparen. Obwohl: die Seitenstraßen lehren einen   ren und beherrschbaren Job als Marketingleiterin
          mehr als die Autobahnen.                                   zugunsten der eigenen Selbständigkeit aufzuge-
                                                                     ben. Herr, oder besser gesagt, Frau der eigenen
 „Ich hatte plötzlich Angst, die Erinnerung, dieses Erbe nicht mehr wachrufen
                                                                     Entscheidungen zu sein, hat mir eine andere
 zu können. Ich sah meine Kinder und musste feststellen, diese Dinge existieren
                                                                     Form von Freiheit verschafft.
 in meinem Kopf, sind für mich selbstverständlich, und sie kennen das alles gar
 nicht.“ Es sind ALPENLÄNDISCHE RARITÄTEN wie die Älplerschokolade, die Ber-  ?   Geht immer?
 ner Zungenwurst, Dörrkastanien, das Sulmtaler Huhn oder der Riebel. Sie alle   !   Jazzmusik und
 haben eines gemeinsam: Sie waren LEBENDIGER TEIL UNSERER ESSKULTUR   eine gute Tasse
 und sind mittlerweile fast in Vergessenheit geraten. „Wir sind die letzte Genera-  Kaffee
 tion, die dieses aktive Wissen noch besitzt, unsere Aufgabe ist es zu bewahren   ?   Ganz nach Ihrem Geschmack?
 und die Glut weiterzutragen“, sagt Barbara Klein.
                                                                          !   Herbsttrompeten. Ich liebe diese Pilze
                                                                          und warte jedes Jahr sehnlichst darauf,
 MITSTREITER WAREN SCHNELL GEFUNDEN...                                    sie ernten zu können.
 Also machte sie sich auf den Weg. Sie tingelte durch ihr Heimatland Österreich,
 auf der Suche nach Menschen, die ähnlich denken, die diese alten Traditionen
 auch noch IN SICH TRAGEN und weitergeben wollen. Und Barbara Klein fand
 mehr Interessierte und künftige Mitstreiter, als sie dachte: Da sind herausra-  ?   Erster Griff nach
 gende Produzent*innen wie Imker, Fisch- oder Hühnerzüchter, Winzer, Bäcker,        dem Aufstehen?
 Bauern, Brenner, Käser, Köche, da sind außergewöhnliche Gastronom*innen   !   Der erste schlaf-
 und Kopfarbeiter wie Forscher, Autoren und Musiker, die alle dieses Projekt mit   trunkene Griff gilt   ?   Letzter Tipp?
 ihrem Engagement – und mit ihrem Namen – unterstützen.   dem Wecker. Schließ-
          lich müssen meine                           !   Sich selbst und seinen Leidenschaften treu    zu bleiben, auch wenn
          beiden Kinder spä-                          einem der Wind oftmals ganz schön streng ins Gesicht weht ...
          testens um 7:15 Uhr                         Deshalb gilt: „Mach Dein Ding!“ „Die Erben“ waren auch ein Aufbruch
          aus dem Haus                                ins Unbekannte.
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